Im Gespräch mit Thomas und Dominik

Zwei Männer, eine Mission: Kaffee neu denken in Aschersleben

Wir sind regelmäßig in Sachsen-Anhalt unterwegs, um euch unsere heimischen Betriebe und regionalen Erzeugnisse vorzustellen. Dabei werfen wir auch einen Blick hinter die Kulissen und sprechen mit den Menschen, die ihr Leben dem Genuss gewidmet haben. Heute im Interview: Thomas und Dominik von der Kaffeerösterei Kaffeemänner” in Aschersleben.

Thomas und Dominik haben in Aschersleben eine kleine Kaffeewelt geschaffen. Für sie ist Kaffee mehr als ein Getränk: Es ist ein Erlebnis, das bei der Auswahl der Bohnen beginnt und beim ersten Schluck seinen Höhepunkt findet. Ob handgefiltert oder als Siebträger – die beiden stehen für ehrlichen, puren Kaffeegenuss, der ohne Schnickschnack auskommt. Neben ihrem eigenen Handwerk lieben sie es, spannende Röstereien zu entdecken und die Vielfalt der Kaffeekultur weiterzugeben.

Wann habt ihr gemerkt: Kaffee ist nicht nur Genuss, sondern Berufung für uns?

Thomas: „Eigentlich von Anfang an, als wir angefangen haben, uns intensiv mit Kaffee zu beschäftigen. Je tiefer wir in die Materie gegangen sind – bis in die Ursprungsländer –, desto mehr hat sich daraus eine echte Berufung entwickelt. Kaffee ist für uns heute nicht nur ein Produkt, sondern eine Lebenseinstellung. Es geht um weit mehr als das Getränk an sich – es geht um Kultur, um Spirit, um Gemeinschaft. Kaffee ist für uns Lifestyle geworden.“

Nach welchen Kriterien wählt ihr die Kaffeebohnen aus, die ihr röstet?

Thomas: „Da spielt viel mit rein. Zum einen natürlich die Herkunft: Wir bevorzugen Länder, in denen wir selbst schon waren oder mit denen wir direkte Partnerschaften pflegen. Dann schauen wir auf die Varietäten, die Aromen und das Potenzial der Bohne. Wir rösten alles im Bereich Specialty Coffee – je nach Anforderung hell, mittel oder dunkel – abgestimmt auf Zubereitungsmethode und Kundenwünsche. Auch wirtschaftliche Aspekte wie Preis und Verfügbarkeit spielen eine Rolle – aber nie auf Kosten von Qualität oder Transparenz.“

Wie geht ihr mit Themen wie Nachhaltigkeit und fairer Handel konkret um?

Thomas: „Für uns beginnt Nachhaltigkeit im Ursprung. Unser Ziel ist der direkte Handel, also der Kontakt zu den Produzenten vor Ort. Was bringt es, eine konventionell gehandelte Bohne in eine recycelbare Packung zu stecken? Das wäre Greenwashing und das machen wir nicht. Wir zeigen in unserer gläsernen Manufaktur ganz transparent, woher der Kaffee kommt, wie er verarbeitet und verpackt wird. Auch bei Milch, Zucker und anderen Zutaten setzen wir auf regionale Partner. Klar – als kleines, mittlerweile zehnköpfiges Unternehmen stoßen wir da auch mal an Grenzen. Aber wir bleiben dran, fair, nachhaltig und ehrlich zu handeln.“

Was möchtet ihr mit eurer Arbeit für die Genusskultur in Sachsen-Anhalt bewirken?

Dominik: „Mit unserer Rösterei und dem Genusskombinat bringen wir neue Geschmackserlebnisse in die Region – zum Beispiel bei unseren Genussabenden, wo man nicht nur Kaffee, sondern auch Produkte vom regionalen Fleischer oder Bauern genießen kann. Jeder neue Geschmackseindruck ist eine Reise mehr, ohne das eigene Land verlassen zu müssen.“

Thomas: „Und ganz wichtig: Wir wollen zeigen, dass Kaffee mehr ist als ein Heißgetränk nach dem Essen. In der Gastronomie wird Kaffee oft stiefmütterlich behandelt. Und das wollen wir ändern. Kaffee ist ein Lebensmittel – ja –, aber auch ein Genussmittel. Viele haben das verlernt oder nie gelernt, weil sie mit den kommerziellen Kaffeemarken aufgewachsen sind. Wir möchten die Leute für echten Genuss sensibilisieren und mit unserem Angebot transparent sein und regionale Unternehmen unterstützen, von der Bäckerei bis zum Kaffeegenuss. Unser Leitmotto ist: Guter Kaffee braucht weder Milch noch Zucker.“

Wenn ihr einen Wunsch für die Kaffeekultur in Deutschland frei hättet – was wäre das?

Dominik: „Dass das Lieblingsgetränk der Deutschen endlich die Anerkennung bekommt, die es verdient – und das ist auch richtig so.“

Ihr habt erst diesen September euer fünfjähriges Jubiläum gefeiert! Wo seht ihr die Kaffeemänner in weiteren fünf Jahren? Welche Projekte kommen als nächstes?

Dominik: „Wir haben das Jubiläum mit tollen Events gefeiert! Weitere kulinarische Eindrücke werden folgen – zum Beispiel unser Federweißer-Tag mit einem regionalen Winzer. Außerdem kommen neue, exotische Aromen in unser Kaffeemänner-Lab z. B. ein kofermentierter Kaffee. Wir erweitern unsere Kaffee-Seminare und das Kaffeemaschinen-Sortiment: von Vollautomaten über Filterkaffeemaschinen wie den Moccamaster bis zu Siebträgern – unser Kooperationspartner ist XLVI. Und natürlich gibt’s jede Menge neue Latte-Art-Bilder. Dazu kommt das große Projekt vor der Tür – unser Genussquartier. Das ist erstmal die letzte große Baumaßnahme. Dort wollen wir Firmen und Genussliebhabende für Körper, Geist und Seele mit Führungen, Events, exklusiven Einblicken und echten Genussmomenten bespaßen. Das ist unsere Zukunftsmusik.“

Warum sollte man zu euch nach Aschersleben auf eine Tasse Kaffee kommen?

Dominik: „Weil man nicht überall einen der besten Kaffees Sachsen-Anhalts in der ältesten Stadt Sachsen-Anhalts trinken kann.“

Thomas:  „Der Genuss bei uns – in einer ehemaligen Seifenfabrik – ist architektonisch ein Highlight. Wir haben nicht nur den Wirtschaftspreis gewonnen, sondern wurden auch zwei Mal vom Feinschmecker als beste Kaffeerösterei Sachsen-Anhalts ausgezeichnet. Und wer einen Moment abschalten will, kann das bei uns mit toskanischem Flair und Blick auf den größten Rosmarin-Strauch Deutschlands tun.“

Wir vom Genussfinder mögen die Kaffeemänner für ihre klare Haltung und ihre Liebe zum puren Geschmack. Ob Filterkaffee, spannende Restauranttipps oder regionale Weine – Thomas und Dominik zeigen, wie vielseitig Genuss in Sachsen-Anhalt sein kann. Vielleicht stoßt ihr ja bald mit einer Tasse frisch geröstetem Kaffee auf eure eigene Genussreise an?